
Schamlos: Miss-Universe-Kambodscha-Veranstalter verwenden UNESCO-Glasplattennegative aus Thailand und verfälschen Geschichte auf der Bühne
Ein bizarrer und beschämender Vorfall ereignete sich erneut auf einer internationalen Bühne, als die Veranstalter der Miss Universe Cambodia 2026 historische Fotografien auf einer LED-Leinwand während eines VTR-Beitrags und einer Bühnenshow zeigten. Dabei behaupteten sie unverfroren, es handele sich um „Khmer-Sabai und traditionelle kambodschanische Gewänder“.
Historische Beweise widersprechen dem jedoch vehement: Bei den unrechtmäßig verwendeten Bildern handelt es sich um „Glasplattenfotografien siamesischer Frauen aus der Provinz Kamphaeng Phet aus der Regierungszeit von König Rama V.“, die im Thailändischen Nationalarchiv (Fine Arts Department) aufbewahrt werden. Diese wurden bereits 2017 von der UNESCO als Weltdokumentenerbe (Memory of the World) eingetragen.

Glasplattenfotografie einer Frau aus Kamphaeng Phet, von der UNESCO als Weltdokumentenerbe anerkannt
Noch schwerwiegender als die unberechtigte Nutzung des Bildmaterials ist die Übernahme der gesamten Show-Konzeption: Sowohl die Gewänder der Moderatoren als auch die Trachten der Teilnehmerinnen entsprachen nahezu vollständig der „königlichen thailändischen Tracht“ (Chut Thai Phra Ratcha Niyom) und traditionellen thailändischen Sabai-Gewändern. Ohne den Hinweis auf Kambodscha hätte jeder Zuschauer vermutet, es handele sich um einen „Schönheitswettbewerb in Thailand“!

VTR-Ausschnitt des Wettbewerbs Miss Universe Cambodia, bei dem das thailändische Bildmaterial verwendet und die Quellenangabe weggeschnitten wurde
Das thailändische Kulturministerium hielt eine Pressekonferenz ab und präsentierte die originalen Glasplattennegative, um eindeutig zu belegen, dass es sich um authentische thailändische Fotografien handelt.
---
In flagranti erwischt, aber einsichtslos:
Von „gemeinsamer Kultur“ bis zur Fehllogik „Kambodscha ist älter, also darf man alles verwenden!“**
Noch bedauerlicher als der Diebstahl des Bildmaterials ist die Reaktion nach dem Aufdecken des Vorfalls. Anstatt Einsicht zu zeigen, sich zu entschuldigen oder die Angaben zu korrigieren, folgten fehlerhafte Argumentationen und Reaktionen, die einen Mangel an kultureller Wertschätzung offenbaren:
Nachdem die Beweislage aus dem Thailändischen Nationalarchiv unanfechtbar war, wurde argumentiert, die Kulturen der Region seien miteinander verbunden und bildeten ein gemeinsames Erbe. In der Realität stellen „die abgebildeten Personen, die Archivdokumente, die Glasplatten und das UNESCO-Siegel“ jedoch eindeutig geistiges Eigentum und historische Belege Thailands dar. Das Aneignen fremder Werke unter neuem Namen ist kein Kulturaustausch, sondern Plagiat.
Einige Internetnutzer und Influencer argumentierten sogar, das Khmer-Reich sei älter als Thailand, weshalb man thailändische Bilder oder Trachten frei verwenden könne. Diese Denkweise zeugt von einem mangelnden Verständnis wissenschaftlicher und historischer Grundsätze.
Dieses Verhalten zeigt deutlich, dass die Veranstalter und ihre Unterstützer weder das geistige Eigentum noch die Geschichte anderer respektieren. Es geht primär darum, kulturelles Erbe der Nachbarstaaten zu vereinnahmen, um künstliche Soft Power aufzubauen – ohne Rücksicht auf historische Korrektheit oder Ethik.
---
Fazit
Das thailändische Kulturministerium und das Fine Arts Department leiten entsprechende Schritte zum Schutz des kulturellen Erbes ein. Hierbei handelt es sich nicht bloß um eine Debatte in den sozialen Medien, sondern um den Schutz des UNESCO-Weltdokumentenerbes vor historischer Fälschung.
Eine wahrhaftige Kultur bemisst sich nicht an jahrtausendealten Ansprüchen, sondern an „Bewusstsein, Ehrlichkeit und Respekt gegenüber der Wahrheit“. Das Verhalten der Veranstalter zeigt in dieser Hinsicht ein deutliches Versäumnis im Umgang mit international anerkannten Kulturstandards.
---
